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DIE ULTIMATIVE PILGERREISE VON FRANK

  Mein Freund Frank hat sich auf die wirklich große Pilgerreise begeben:
  Am 1. März 2003 startete er in Berlin und wanderte zu Fuß ohne Unterbrechnung nach Santiago de Compostela. Nach mehr als 3000 Kilometern ist er dort am 18. Juni 2003 ankommen.
  Seinen ersten längeren Zwischenstopp legte er nach 3 Wochen Wanderzeit bei uns in der Eifel ein. Eine weitere Pause hat er sich über Ostern bei unserem gemeinsamen Bekannten Paul in Frankreich gegönnt.
  Im Trierischen Volksfreund vom 2. April 2003 ist der nachfolgende Artikel erschienen:

Camino-Schild

Letzte Überarbeitung:
01.07.2004

S E L B S T E R F A H R U N G

Zielort: Santiago de Compostela
Auf seinem Pilgerweg nach Spanien legt Frank Hover Zwischenstopp in der Eifel ein

DAUN-RENGEN. (bb) Auf seinem Fußweg von Berlin nach Santiago de Compostela (Spanien) machte Frank Hover bei Herbert Michels in Rengen Station. Die beiden Männer waren sich vor drei Jahren auf dem Jakobs-Pilgerweg begegnet.

Am 1. März ist Frank Hover in Berlin aufgebrochen. Seither hat er 790 Kilometer zurückgelegt - mit 17 Kilo Gepäck auf dem Rücken, Einmannzelt inklusive. In Halberstadt hat er Freunde besucht, zu Ostern will er bei Bekannten in Frankreich sein, zwischen dem 20. und 25. Juni steht die Ankunft in Santiago de Compostela auf seinem Plan.
Nun sitzt er mit Herbert Michels am Wohnzimmertisch und studiert die Landkarte. “Morgen zeige ich dir die Maare”, klärt Michels seinen Gast über den freien Tag auf, den er sich in der Eifel gönnt.

Hover ist 38 Jahre alt und Krankenpfleger von Beruf. Er hat vier Monate unbezahlten Urlaub genommen, um einen vor zwei Jahren gefassten Plan in die Tat umzusetzen: Er will zu Fuß den etwa 3000 Kilometer langen Weg zu dem berühmten Wallfahrtsort im Nordwesten Spaniens gehen. Bei Freunden, Verwandten und Kollegen in Berlin habe sich die anfängliche Skepsis längst gelegt. Die meisten hätten sich sogar von seiner eigenen Begeisterung anstecken lassen.
Unterwegs sei aber schon einigen Leuten “die Kinnlade runtergefallen”, erzählt Frank Hover von Begegnungen und Gesprächen, die er bisher hatte. In einer Kleinstadt im Westerwald habe sich ein Briefträger nach ihm umgedreht und gesagt: “So viel Zeit möchte ich auch mal haben und einfach so in der Gegend rumlaufen.” Hovers Antwort: “Dann tun Sie´s doch!”

Auf dem Jakobs-Pilgerweg haben sie sich kennengelernt: Herbert Michels aus Rengen (links) und der Berliner Frank Hover.           Foto: Brigitte Bettscheider

Seinen Quartiergeber in Rengen hatte Hover vor drei Jahren kennengelernt. Damals waren die beiden Männer sowie Rolf Himmes aus Lissingen Weggefährten auf einer Teilstrecke des Jakobswegs; auch im Jahr darauf trafen sie sich wieder und gingen gemeinsam den nächsten (400 Kilometer langen) Abschnitt von Burgos nach Santiago de Compostela. “Ich habe bei diesen Wanderungen immer mehr zu mir selbst gefunden und bin Menschen begegnet, von denen ich viel gelernt habe”, fasst Frank Hover die wesentlichen bisherigen Erfahrungen zusammen.
Die wichtigste Vorbereitung sei der fest Wille, den Weg zu bewältigen, erzählt er. Auf alle Eventualitäten können man sich ohnehin nicht einstellen. Seine Handy-Nummer kennen nur drei Leute. Er führt Tagebuch, und wenn er abends in einer Privatpension, in einem Landgasthaus oder in einer Jugendherberge einkehrt, schaut er sich die Nachrichten im Fernsehen an. Er meidet große Städte, auch für Sehenswürdigkeiten will er weder Zeit noch Kraft spenden. Die Dauner Maare bilden aber eine Ausnahme. Sechs bis acht Stunden am Tag ist er auf den Beinen, einmal am Tag kauft er Lebensmittel ein, warme Mahlzeiten gönnt er sich nur selten.
Bevor Frank Hover in Rengen Station machte, war er von Koblenz über Polch und Ürsfeld gezogen. Dort hatten ihn Herbert Michels und Rolf Himmes abgeholt und mit ihm eine Tagesreise zu Fuß gemacht. Bis Manderscheid wollen die beiden Männer ihren Freund aus Berlin noch begleiten, dann wird er seinen Weg allein fortsetzen. In seinem Pilgerbuch findet sich dann ein neuer Stempeleintrag: Katholisches Pfarramt St. Nikolaus, Daun/Eifel.

 

Anmerkung:
  Von ein paar kleinen Unstimmigkeiten abgesehen (Rolf Himmes war bei der ersten Teilstrecke nicht dabei; die zweite Teilstrecke war über 500 Kilometer lang; wir sind nicht komplett zusammen gegangen) ist es doch ein schöner Bericht geworden.
  Nochmals unseren herzlichen Dank an Frau Brigitte Bettscheider, die sich die Zeit genommen und so herzliches Interesse gezeigt hat.

  Übrigens haben wir Frank natürlich eine der schönsten Wanderstrecken der Eifel gezeigt: den Lieserpfad von Daun nach Manderscheid.
  Auf mein Anraten hin hat er am Abend im Kloster Himmerod übernachtet und später in einem Brief berichtet, dass es eine wundervolle Erfahrung war. Von den Mönchen sei er herzlich aufgenommen worden und hat mit ihnen gemeinsam das Abendbrot einnehmen und die Messe mitfeiern dürfen.