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 |  | | Der genaue Streckenverlauf: |
 | Tag | Wochentag | Datum | Strecke von - nach | Km | 1. Tag | Samstag | 22.9. | Anreise nach Burgos, Wanderung nach Tardajos | 9 | 2. Tag | Sonntag | 23.9. | Tardajos - Castrojeriz | 31 | 3. Tag | Montag | 24.9. | Castrojeriz - Poblacion de Campos | 30 | 4. Tag | Dienstag | 25.9. | Poblacion de Campos - Calzadilla de la Cueza | 34,5 | 5. Tag | Mittwoch | 26.9. | Calzadilla de la Cueza - Calzada del Coto | 28 | 6. Tag | Donnerstag | 27.9. | Calzada del Coto - Mansilla de las Mulas | 33,5 | 7. Tag | Freitag | 28.9. | Mansilla de las Mulas - Leon - La Vigen del Camino | 26 | 8. Tag | Samstag | 29.9. | La Virgen del Camino - Santibanez de Valdeiglesias | 33,5 | 9. Tag | Sonntag | 30.9. | Santibanez de Valdeiglesias - Rabanal del Camino | 33,5 | 10. Tag | Montag | 1.10. | Rabanal del Camino - Molinaseca | 26,5 | 11. Tag | Dienstag | 2.10. | Molinaseca - Villafranca del Bierzo | 32 | 12. Tag | Mittwoch | 3.10. | Villafranca del Bierzo - O Cebreiro | 30 | 13. Tag | Donnerstag | 4.10. | O Cebreiro - Calvor | 38,5 | 14. Tag | Freitag | 5.10. | Calvor - Portomarin | 28,5 | 15. Tag | Samstag | 6.10. | Portomarin - Casanova | 32 | 16. Tag | Sonntag | 7.10. | Casanova -Arzua | 24,5 | 17. Tag | Montag | 8.10. | Arzua - Labacolla | 29,5 | 18. Tag | Dienstag | 9.10. | Labacolla - Santiago de Compostela | 10 | 19. Tag | Mittwoch | 10.10. | Santiago und Rückreise über Madrid nach Frankfurt | -- | Gesamtstrecke | 510,5 |
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 | | | 1. Tag - Samstag, 22.9.01 - Anreise von Düsseldorf über Madrid nach Burgos | Der Wecker klingelt um 3:00 Uhr in der Früh. Mit Schwung verlasse ich das Bett und bin fast schon reisefertig. Richtig geschlafen habe ich sowieso nicht. Das Kribbeln im Bauch macht mich ganz nervös. Der Rucksack steht fertig gepackt in der Ecke und wartet nur darauf, dass es los geht. Schnell sind die Sachen im Auto verstaut und schon fahren Margret und ich zum Treffpunkt mit Rolf und Conni nach Hillesheim.
Die Fahrt nach Düsseldorf gestaltet sich im dichten Herbstnebel zeitaufwändiger und gefährlicher als erwartet. Fast haben wir noch einen Unfall! Wer baut denn auch plötzlich einen Kreisverkehr auf einer Strecke, die man normalerweise im Schlaf kennt? Gegen 6:00 Uhr sind wir doch noch rechtzeitig am Flughafen Düsseldorf. Diesmal habe ich mich besser vorbereitet und einen speziellen, leichten Transportsack für den Rucksack gekauft. Die Verabschiedung von unseren Frauen fällt uns, trotz der Vorfreude auf den Camino, sehr schwer. In der Warteschlange treffen wir ein paar ältere Herrschaften, die auch auf dem Weg zum Camino sind. Sie werden jedoch nur kleine Strecken laufen und den Rest per Bus zurücklegen. Vielleicht trifft man sich ja, wer weiß?
Nach einem ruhigen und unspektakulären Flug (...das Gegenteil: siehe Rückreise am 10.10.01!) landen wir gegen 11:00 Uhr im regnerischen Madrid. Was für eine Überraschung! Marta (meine “Pilger-Schwester” von letztem Jahr) erwartet uns im Flughafen. Das finde ich Spitze! Trotz zwischenzeitlichen E-Mail-Kontaktes war ich mir bis zum Schluß nicht sicher, ob sie meine (in holprigen Spanisch verfassten) Mails richtig lesen bzw. deuten konnte.
Anmerkung: Der E-Mail-Kontakt zwischen Marta und mir lief in etwa so ab: - Ich schrieb eine Mail in Englisch und ließ diese durch ein Übersetzungsprogramm im Internet ins Spanische übersetzen. - Marta antwortete mir in Spanisch, worauf ich wiederum das Übersetzungsprogramm hernahm, mir die Mail ins Englische zu übersetzen. - Dann nahm ich BEIDE Texte (also den Englischen und den Spanischen), verglich sie miteinander und “bastelte” mir so einen mehr oder weniger verständlichen deutschen Text. Die Übersetzungsprogramme sind wirklich noch nicht das Gelbe vom Ei! Nur gut, dass ich noch ein wenig von meinem “Camino-Spanisch” behalten habe!  |
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Nach wahnsinnig herzlicher Begrüßung folgt die erste Unterhaltung mit “Händen und Füßen”, wie man so schön sagt. Dann fährt Marta uns in ihrem kleinen Flitzer zum Bahnhof Chamartin, wo unser Zug nach Burgos abgeht. Noch haben wir etwas Zeit, sodass wir im Stehcafé des Bahnhofs unseren ersten spanischen Cafe con leche und das erste Bocadillo genießen können. (Wie ein Bekannter in seiner Reisebeschreibung des Camino so schön sagt: “Das Standardessen des Pilgers”...). Marta gibt uns zu verstehen, dass sie wahrscheinlich Dienstags oder Mittwochs hoch in den spanischen Norden kommen will und uns 2 Tage begleiten wird. Das finden wir natürlich toll! Doch jetzt heißt es erst einmal wieder Abschied nehmen, denn unser Zug fährt in den Bahnhof ein. Der 2. Abschied des Tages - ich dachte es sollte ein Willkommen sein...
Gegen 17:00 Uhr sind wir nach einer ruhigen Zugfahrt in Burgos. Hier hat es vor kurzem auch stark geregnet. Rolf steht noch etwas unsicher vor dem Bahnhof und weiß gar nicht, was er von diesem ersten Tag halten soll. Wir besuchen die Kathedrale, die für ihn (und auch wieder für mich) ein großes Erlebnis ist. Eigentlich sollen wir dort Frank (siehe Teil 1) und seinen Freund Manfred treffen, doch die sind wegen des Regens schon nach Tardajos weitergezogen. Zum Glück habe ich Manfred´s Handy-Nummer und erfahre dies durch einen kurzen Anruf. In der Pilgerherberge von Burgos , an der wir auf unserem Weg nach Tardajos vorbeikommen, füllen wir unsere Wasserflaschen und lassen uns den ersten Stempel in unser neues Credencial geben. Rolf wirft einen kurzen Blick in die Schlafräume und meint: “Die sind wirklich genau so, wie Du es beschrieben hast!” Die Wege sind nass und glitschig, der Himmel verschont uns jedoch. In der Abenddämmerung kurz vor 20:00 Uhr ziehen wir in Tardajos ein. Dort treffen wir Frank und Manfred, die schon seit 10 Tagen mit einer Gruppe von mehreren Leuten unterwegs sind. Die Begrüßung ist zwar herzlich, aber trotzdem kommen wir uns irgendwie wie das 5. Rad am Wagen vor. Dies ändert sich auch in den folgenden Tagen leider nicht. Wahrscheinlich hatte ich meine Erwartungen in das Treffen mit Frank ein wenig zu hoch geschraubt. Schade.
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 | | | 2. Tag - Sonntag, 23.9.01 - Von Tardajos nach Castrojeriz | Die Dunkelheit ist dem Morgen noch nicht gewichen, als wir losziehen. Es sind doch wesentlich mehr Pilger zu dieser Jahreszeit unterwegs als ich es mir vorgestellt hatte. Zuerst geht es durch kleine, noch schlafende Dörfer, aber der Weg ist prima ausgeschildert und die erste anstrengende Steigung schaffen wir recht gut. Da wir ohne Frühstück losgezogen sind, wollen wir dies in Hornillos del Camino nachholen. Leider hat die “Bar” (also eine ordinäre Kneipe) noch geschlossen. Es ist ja schließlich Sonntag. So sitzen wir auf der Bank vor der Bar . Dort verspeisen wir unseren Proviant, den wir glücklicherweise in Tardajos am Vorabend aufgefüllt haben. Ein kleines, mageres Kätzchen leistet uns Gesellschaft und wird kräftig von uns gefüttert. Als der Wirt dann endlich erscheint hat auch er ein Herz für das Tierchen und streut ihm die Reste des gestrigen Abends auf den Gehsteig. Obwohl wir eigentlich satt sind gönnen wir uns noch einen Kaffee, wobei sich dann plötzlich und in Windeseile die Bar mit einigen Pilgern füllt.
Wieder finden wir mit Feldsteinen gebaute “Steinmännchen” , von denen Rolf ganz fasziniert ist. Wir machen einen kleinen Abstecher zur Quelle San Bol . Der deutsche Bewohner Udo ist leider nicht da. Hinter dem Haus läuft das Wasser hier direkt aus dem Berg in einen Trog und schmeckt hervorragend. So leeren wir unser “Zivilisations-Chlorwasser” aus und füllen unsere Flaschen mit dem kühlen, frischen Nass. Der Boden ist durch den Regen sehr schmierig und der Dreck klebt an den Schuhen. Kleinen Unstimmigkeiten an den Füßen sollte man unbedingt SOFORTIGE Beachtung schenken und auf der Stelle beheben!
Die Landschaft ist leicht hügelig, wie hier kurz vor Hontanas , doch meist geht es an den Berghängen vorbei, so dass keine großen Steigungen zu bewältigen sind. Die letzten 6 km vor Castrojeriz sind sehr anstrengend, da der Camino direkt an der Straße entlang führt und keine Ausweichmöglichkeit auf Feldwege besteht. Auf dem Asphalt jubeln die Füße zum ersten Mal.
Das verlassene Kloster San Anton verdient hier natürlich seine gebührende Erwähnung. Der dort ansässige Orden hatte sich in früheren Zeiten der Heilung von leprakranken Pilgern verschrieben. Die Einbuchtung, wo die Pilger ein Essen bekamen, ist noch heute gut sichtbar und ist mit vielerlei Zetteln, die die Pilger hinterlassen haben, gespickt.
Wir erreichen Castrojeriz und haben einen schönen Blick auf die Kirche Santa Maria del Manzano. Ein Erinnerungsfoto dieses markanten Punktes am Camino muss natürlich sein! (Anmerkung: Ein Foto dieser Kirche mit dahinter liegendem Berg war das allererste Bild, das ich mir bei der Vorbereitung des 1. Teils schon 1999 aus dem Internet gezogen, vergrößert und als “Sehnsuchtspunkt” an meine Wand geheftet hatte. Dort hängt es auch noch heute.) Ebenfalls möchte ich die gemauerten Betten im Refugio von Castrojeriz nicht unerwähnt lassen: Sehr hart - aber ich habe in keinem Refugio jemals besser und tiefer geschlafen!
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 | | | 3. Tag - Montag, 24.9.01 - Von Castrojeriz nach Población de Campos | Wir werden von gregorianischen Gesängen (...natürlich nicht live, sondern aus der Konserve...) geweckt. Das ist mal was anderes als nur Tütengeraschel! Auch etwas besonderes ist es, das es im Refugio ein kleines Frühstück gibt: Milchkaffee, ein Apfel und Kekse mit Butter stehen jedem Pilger kostenlos zur Verfügung. Wir nehmen dieses Geschenk dankbar an.
Über eine alte Römerstraße verlassen wir Castrojeriz und bewundern einen fantastischen Sonnenaufgang . Die daran anschließende anstrengende 1,3 km lange Steigung bringt uns ganz schön ins Schwitzen. Oben werden wir jedoch durch ein fantastisches Panorama für die Mühe belohnt. Eine Bank lädt zur kurzen Rast ein, der wir ausgiebig nachkommen. Der dort angelegte “Naturgarten” verdient seinen Namen wirklich zurecht: Die Natur hat sich ihn wieder voll und ganz zurückerobert.
So steil wie wir hochgekommen sind geht´s anschließend auch wieder bergab - na toll! An der Kirche San Nicolas vorbei, die im Sommer als Refugio dient, kommen wir über diese schöne Brücke über den Fluß Pisuerga. Dahinter treffen wir einen Reisebus mit deutschen und englischen “Pilgern”, die sich die Kirche ansehen wollen. Es ergeben sich einige nette Gespräche.
Die Landschaft verändert sich nun sehr zügig und wird zusehends flacher. Die Ausläufer der Meseta sind hier schon zu spüren. In Itero de la Vega werden wir durch laute Radiomusik von unserem “Gelbpfeil”-Weg abgebracht und in eine kleine Bar gelenkt. Ganz schön raffiniert ausgeklügelt von der Wirtstochter, die mit diesem kleinen Trick gute Geschäfte macht! Die Bocadillos und der Kaffee sind jedoch nicht zu verachten und der kleine Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Die wellige Landschaft hat nun fast keinen Baumbestand mehr. Eine Bewässerung findet durch speziell hierfür angelegte Kanäle (hier der Canal de Castilla) statt, die ein sehr sauberes, aber auch sehr kaltes Wasser führen.
Am Wege fallen uns einige verfallenen Gebäude auf. Es sind Taubenhäuser , die aus Lehmziegeln erbaut wurden und nun langsam vor die Hunde gehen.
Vor Fromista erleben wir dann, wie in das durchdachte System der Kanäle Bewegung kommt . Durch ein Stauwehr wird kontrolliert das Wasser in tiefer angelegte Kanäle abgelassen. Tolle Erfindung. Hinter dem kleinen Städtchen Fromista wird´s dann wirklich wahnsinnig eintönig. Kilometerlang verläuft der Pilgerweg an der Hauptstraße vorbei (...manche sagen zu diesem Teil des Camino auch “Pilgerautobahn”). Immer geradeaus, geradeaus, geradeaus... Mir kommt das “Ultreya” in den Sinn - “Vorwärts”. Einsilbig laufen wir stumm und stur nebeneinander her.
Dann sehen wir zum ersten Mal auf den Straßenschildern einen Hinweis auf Santiago. Noch ganz schön weit, was? An jeder Feldweg-Einbiegung stehen die hübschen Betonpfosten mit der Jakobsmuschel. Leider finden manche “Pilger” diese Kacheln so schön, dass sie sie unbedingt als Souvenir mitnehmen möchten. Viele sind mit Gewalt herausgebrochen worden. Das finden wir überhaupt nicht lustig und fragen uns, wie man als Pilger zu solchen Taten fähig sein kann. Das ist schon eine Schande, ehrlich! Tipp: Die Kacheln kann man in Santiago preisgünstig kaufen und muss sie nicht stehlen! Diese haben dann noch den Vorteil, dass sie auch komplett intakt sind!!!
In der kleinen Herberge in Poblacion de Campos sind die 8 Liegen und ein paar eilig herbeigeschaffte Matrazen schnell belegt. Viele, die nach uns kommen, müssen daher nach Villalcazar de Sirga weiter ziehen. Das sind noch mal locker noch 10 km! Und langsam wird´s schon richtig dunkel. Einige bleiben jedoch hier. Sie übernachten im Vorraum und im Garten auf ihren Isomatten. Leider gibt es in dem kleinen Ort keine Möglichkeit etwas zu essen, daher müssen wir uns an diesem Abend mit vino tinto begnügen (Übersetzung für Nicht-Pilger: Wein, rot, sehr gehaltvoll in jeder Beziehung) 
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 | | | 4. Tag - Dienstag, 25.9.01 - Von Población de Campos nach Calzadilla de la Cueza | Weiter geht es am Morgen über Villacazar de Sirga wieder auf der “Pilgerautobahn” Richtung Westen. Das ist trist, unlustig und schlaucht. Auch wenn ich mir das hier kurz vor Carrion de los Condes nicht anmerken lasse. Am Kloster San Zoilo gibt es ein nettes Straßenschild : Der Autofahrer wird dezent auf “herumstreunende” Pilger aufmerksam gemacht, die die Fahrbahn kreuzen.  (Anmerkung: Nein - das stimmt natürlich nicht. Mit “peligroso” ist die Kreuzung und nicht der gemeine Pilger gemeint, der im Spanischen natürlich “peregrino” heißt! Aber wir haben es einfach “verwurschtelt”.)
Ein Schäfer mit seiner Herde begleitet uns ein Stück. Irgendwie fühlen wir uns wohl in der Herde. Woran das wohl liegt?
Wenn sich die Sonne zeigt, wird es sofort sehr heiß. Versteckt sie sich jedoch hinter einer Wolke, wird es durch den von vorne kommenden Wind so kalt, dass man sich die Jacke überziehen muss. Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln!
Tja, was kann man über das 12 km lange eintöniges Stück Geröllpiste erzählen, das nun folgt? Ich glaube, das Bild spricht Bände: Links der Blick nach vorne - rechts der Blick nach hinten. Abwechslungsreich, was? Die einzige Abwechslung ist ein Rastplatz . Doch bei einer solchen Schweinerei bleibt auch mir die Sprache weg! Unnötig zu sagen, dass wir unseren Müll immer in das nächste Refugio mitgenommen haben. Unser Motto: “Hinterlasse nichts als Deine Fußspuren.”
Das Refugio von Calzadilla de la Cueza ist am Abend gut gefüllt. Da es ein wenig außerhalb des Ortes liegt hat es sogar einen dieser neumodischen Getränkeautomaten, der alle möglichen Pesetenstückchen schluckt und ausgiebig von allen genutzt wird. Im Ort, ein paar Meter weiter, gibt es eine Möglichkeit zum Abendessen. Es ist immer wieder ein Erlebnis mit Menschen aus aller Herren Länder ein gemeinsames Mahl einzunehmen.
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 | | | 5. Tag - Mittwoch, 26.9.01 - Von Calzadilla de la Cueza nach Calzada del Coto | Es ist ein sehr kalter, aber herrlich klarer Morgen. Die einsamen Felder Kastilliens sind bei Sonnenaufgang schon etwas besonderes. Die weite Einsamkeit macht einfach sprachlos. Ein ordentliches Frühstück gönnen wir uns dann in Gesellschaft von Rolf, Manfred und Frank (von links nach rechts).
Während wir so dasitzen, plötzlich kurze Panik: ein Belgier (im Hintergrund rechts mit Bart) bemerkt plötzlich, dass er seine kompletten Ausweispapiere verloren hat. Da können wir leider auch nicht helfen. Er hofft darauf, dass irgend jemand die Papiere gefunden hat und sie ihm bringt. Falls nicht, hat er vor, am nächsten Tag nochmals zurück nach Calzadilla de la Cueza zu gehen. Ein paar Kilometer nach unserer Rast hält der Hospitalero (Herbergsvater) von Calzadilla dann plötzlich mit dem Auto neben uns an. Er hat die Papiere des Belgiers gefunden und sucht ihn jetzt. Wie wir später erfahren, hat er ihn tatsächlich gefunden und die Freude war groß. Dies sind die “kleinen” Erlebnisse, die den Camino in Erinnerung halten.
Die Sonne brennt am Mittag. 30 Grad, wie wir auf einer Anzeige in Sahagun ablesen können. Vor der Kirche steht ein “eiserner Pilger” und wir können es nicht lassen, ein Erinnerungsfoto dort zu schießen: Rolf sieht ja noch ganz gut aus, aber ich... Nö, nö! Deshalb hier auch nur das Bild von Rolf. 
Gegen Nachmittag haben wir die Grenze zur Provinz Leon erreicht, was uns auf diesem Camino-Schild unmißverständlich klargemacht wird. (“Ach wie niedlich, ein kleiner Löwe! Was der wohl zu bedeuten hat?” - Originalton einer mittelalten, deutschen Pilgerin. Ich spare mir hier jeden weiteren Kommentar, gell?)
Das Refugio von Calzada del Coto sieht von außen zwar einigermaßen gut, aber von innen nicht sehr Vertrauen erweckend aus. Und leider soll ich hier Recht behalten: Am Morgen wache ich mit 4 hässlichen Bisswunden im Gesicht, 2 an den Händen und 1 am rechten Unterschenkel auf, die mir ein paar Tage wirklich helle Freude bereiten werden... Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ´ne kleine Wanze....
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 | | | 6. Tag - Donnerstag, 27.9.01 - Von Calzada del Coto nach Mansilla de las Mulas | Die im Reiseführer beschriebene “alte Römerstraße” entpuppt sich als stolperige Kieselsteinpiste und wir eiern so dahin. Jetzt ärgert es mich, dass ich meine Schuhe nicht vorher doch noch besohlen ließ. Ich spüre praktische jeden Stein unter den Füßen. 18,5 km geht es durch die Hochebene ohne Wasserstelle. Jeder noch so kleine Baumbestand wird in der Hitze dankbar angenommen und natürlich entsprechend verewigt.
An einer verlassenen (leider durch Vandalismus total zerstörten) Eisenbahn-Haltestelle des Ortes Villamarcos machen wir eine Rast unter einem großen Baum . Das ist auch das einzige Mal, dass wir unsere Isomatten brauchen! Danach sind diese auf der Unterseite vollkommen mit dem spitzen Mesetagras übersät und wir brauchen Stunden um die Stacheln wieder aus dem Stoff heraus zu puhlen!
Dann müssen wir durch einen Bach . Der Reiseführer berichtet, dass man sich die Schuhe ausziehen soll, da das Wasser bis zu den Knien reicht. Rolf, der alte Fuchs, hat jedoch einen Schleichweg entdeckt, über den wir trockenen Fußes auf die gegenüberliegende Seite kommen, OHNE die Schuhe auszuziehen. Wieder ein Erlebnis weniger, das wir unseren Enkeln erzählen können...
Hinter Reliegos beginnt eine schnurgerade Strecke bis nach Mansilla de las Mulas, die einfach kein Ende nehmen will. Die beiden “jungen” Französinnen (eine etwa Ende 50, die andere etwa Ende 60), über die wir am Mittag wegen ihrer Langsamkeit noch gelästert haben, überholen uns mühelos. Das ist´n Ding, das uns noch lange Gesprächsstoff liefert.
Im Refugio von Mansilla de las Mulas dann eine Überraschung: Der Hospitalero ist ein Deutscher. Wie wir ihn so reden hören ist uns klar - ein Rheinländer. Wolf ist sein Name. Alter - unbestimmbar, aber bestimmt so um die 70. Er stammt aus Alfter bei Bonn und freut sich riesig “Landslöck us der juten ahlen Eefel” zu treffen. Wolf arbeitet JEDES Jahr 4 Monate unentgeltlich als Hospitalero. Vorher wandert er jedesmal ca. 2 Monate durch Spanien, um dann, als krönender Abschluß sozusagen, auch noch nach Santiago weiter zu ziehen. Er ist ein Phänomen und kuriert so manchen fußkranken Pilger mit seinen Händen. Leider habe ich kein Bild von ihm gemacht, da wir an diesem Tag total erschöpft und ausgepowert waren. Vielen Dank für alles, lieber Wolf! In Erinnerung bleibt mir auf jeden Fall der große Feigenbaum im Hof des Refugios, der einen herrlichen Duft verbreitet und kühlen Schatten spendet.
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 | | | 7. Tag - Freitag, 28.9.01 - Von Mansilla de las Mulas nach La Virgen del Camino | Wir verabschieden uns herzlich von Wolf. Er gibt uns eine Liste mit, in der er markiert hat, in welchen Refugien er Freunde hat und wo man gut essen kann. Auf der Brücke hinter dem Ort ergibt sich dann die Gelegenheit mal ein gemeinsames Foto von den beiden “Pilgerbrüdern aus der Eifel” zu schießen . Mein Dank geht hier an die unbekannte englische Pilgerin, die dies für uns erledigte. Wir haben heute einen “Urlaubstag”, da lediglich 26 km anstehen. Wir schlendern die 19 km nach Leon und sehen die Stadt schon bald vor uns. Dort warten wir auf den Dritten im Bunde - Leo. (Wir treffen Leo in Leon - ist das nicht witzig?)
Zuerst jedoch suchen wir das Postamt, denn wir haben festgestellt, dass wir jede Menge zuviel im Rucksack haben. Ein großes Paket mit fast 7 kg überflüssigem Gezeugs (u.a. 1 Hose, mehrere Unterhosen, Pullover, Teller, Toilettenartikel etc.) von uns beiden wird gepackt und für teures Geld zurück nach Deutschland geschickt. Ja ja, ich höre die Lästerer schon wieder...
Die Stadt ist wie alle Städte sind: Laut, hektisch, voller Verkehr. Außer auf dem Platz der Kathedrale . Da dürfen nämlich keine Autos hin! Und das ist auch gut so. Dieses Bild habe ich von dem Eiscafé aus gemacht, in dem wir uns einen grooooßen Eisbecher gönnen, während wir auf Leo warten ... und warten ... und warten ... bis er dann endlich gegen 17:30 Uhr auftaucht. Große Freude!
Die 7 km bis zu unserer Unterkunft in La Virgen del Camino vergehen schnell, trotz der Schmerzen in meinen Füßen, die jetzt langsam beängstigende Ausmaße annehmen. Wir übernachten diesmal nicht in einem Refugio (weil es dort keins gibt), sondern in einem Hostal (vergleichbar mit unseren 1-Sterne-Hotels). Wir haben uns mit Frank und Manfred für diesen Tag verabredet und treffen sie auch dort an. Frank und ich teilen uns ein Doppelzimmer. Ein Zimmer mit Bad und WC und warmem Wasser - was für ein Luxus für 3.000 Pts. Das sind wir schon gar nicht mehr gewöhnt! Und ich hab´s genossen, das könnt ihr mir glauben!!! 
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 | | | 8. Tag - Samstag, 29.9.01 - Von La Virgen del Camino nach Santibanez de Valdeiglesias | Den ganzen Morgen regnet es leicht. In einer der kurzen Unterbrechnungen habe ich dann mal Zeit unseren Leo (rechts) im Bild festzuhalten.
Die Strecke führt weiterhin über eine Hochebene (Paramo-Ebene), aber die Bäume werden zahl- und die Landschaft abwechslungsreicher. Es macht einfach Spaß auch bei Regen mit 2 so guten Freunden unterwegs zu sein.
Am Ortseingang von Villar de Mazarife sehen wir dieses fantastische Mosaikbild . Ihr glaubt nicht, dass es aus lauter kleinen Steinchen besteht? Dann schaut euch mal die Vergrößerung an! Wir gehen (wie fast alle Pilger, glaube ich) in das private Museum des romanischen Malers Monsenor Pintor Romanico. Vor dessen Eingang entstand dieses “Stilleben mit Rucksäcken” . Was der doch für einen Schund und Tand anbietet - unwahrscheinlich, aber sehenswert!
Durch unendliche Maisfelder und kleine Wäldchen führt unser Weg und wir fühlen uns unendlich frei. Arbeit? Hektik? - Alles weit hinter uns!
Am Ortseingang von Hospital de Orbigo betreten wir die wirklich eindrucksvolle römische Brücke . Dort soll einmal ein spanischer Edelmann vor ein paar hundert Jahren aus verschmähter Liebe einige Pilger niedergemetzelt haben. Aber der Kerl ist ja wohl hoffentlich schon lange tot und wir haben nichts zu befürchten. Meine Fußballen tun inzwischen unendlich weh, weil die Schuhsohlen mit jedem Schritt immer dünner werden.
Am Abend erwartet uns eine weitere Überraschung. Marta steht mit ihrer Cousine, die im hiesigen Teil des Landes wohnt, plötzlich in der Tür des Refugios. Das ist eine Freude! Sie nimmt uns im Auto mit zurück nach Hospital de Orbigo, wo wir uns mit Frank und seiner Gruppe zum Abendessen treffen. Wir schwärmen von den “vergangenen Zeiten” (also im Klartext: vom letzten Jahr) und sind so vertieft, dass wir nicht bemerken, wie Marta still und heimlich das Essen für die ganze Gruppe (etwa 10 Personen) gezahlt hat. Sie duldet keinen Widerspruch! Mit dem Auto fährt sie uns dann wieder nach Hospital de Orbigo. Der Abschied von ihr fällt mir sehr schwer, denn leider hat sie keine Zeit für ein paar Tage mit uns zu pilgern. Es war ein toller Abend. Danke Marta.
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 | | | 9. Tag - Sonntag, 30.9.01 - Von Santibanez de Valdeiglesias nach Rabanal del Camino | Hinter unserem heutigen Startpunkt tauchen wir sofort wieder in die Hochebenen-Landschaft ein. Das alltägliche “Beinchen-wechsel-Dich”-Spiel ist immer wieder auf interessant, wie man sieht.
Das bislang größte Bocadillo hat Rolf wohl hier auf seinem Teller. Ein Wahnsinnsteil. Er hat wirklich Mühe es zu vertilgen (und das will was heißen)!
Während wir so still vor uns hin gehen ist es ein kleiner Schock, als Rolf uns plötzlich aus heiterem Himmel mitteilt, dass er jetzt lieber im Zug nach Hause sitzen möchte. Na ja, denke ich, der Camino hat so seine eigenen Gesetze und bringt manchen aus der Fassung. Aber das wird schon wieder!
Wir erreichen die alte Stadt Astorga und sehen uns die römischen Ausgrabungen, die Kathedrale sowie den Bischofspalast (Baumeister: Antonio Gaudi) an. Sehr eindrucksvoll.
An einer Eremitage hinter Astorga halten wir eine kurze Rast im Schatten. Meine Füße tun jetzt wirklich SEHR weh. Auch Rolf und Leo machen die Füße zu schaffen. Rolf gibt mir seine (zuviel mitgenommenen) Einlegesohlen. Das geht zwar ein bisschen besser, aber das durchwalkte Fleisch spürt jeden Stein. Das ist wohl diesmal eine Büßertour.
Wir entschließen uns trotzdem bis zum heutigen Zielpunkt Rabanal del Camino weiter zu gehen und kommen total fertig dort an, weil die letzten Kilometer fast nur aus Asphaltstraße bestehen. Meine Fußsohlen spüre ich vor lauter Brennen überhaupt nicht mehr. Das Einsalben mit Weleda-Fußcreme und eine Fußmassage von Leo wird zum alltäglichen Ritual.
Die Herberge ist wirklich sehr schön. Der kleine schattige Innenhof beherbergt eine Bar, an der vino tinto und andere “altkatholischen” Getränke und Snacks feil geboten werden. Man muß also nur zum Essen aus dem Refugio heraus. Leider habe ich kein Bild dort gemacht. Das ärgert mich heute.
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 | | | 10. Tag - Montag, 1.10.01 - Von Rabanal del Camino nach Molinaseca | Schock in der Morgenstunde! Rolf hat die ganze Nacht gegrübelt und will nach Hause zu fahren. Alle gutgemeinten Ratschläge sind fehl am Platze und wir merken instinktiv, dass wir seinen Entschluss nicht rückgängig machen können. Sehr, sehr schweren Herzens lassen wir ihn im Refugio zurück und ziehen von dannen.
Rolf, du bist eine echte Bereicherung unseres Weges. Bleib so, wie du bist!
In der Morgensonne erklimmen Leo und ich die Hügel hinter Rabanal und wandern durch ein Gebiet, dass dicht mit mannshohem Ginster bewachsen ist. Ein amerikanischer Radfahrer (Bob), den wir an einem Brunnen treffen, teilt uns mit, dass Rolf inzwischen per Taxi zurück nach Astorga unterwegs ist. Bob ist unser schwerer Abschied aufgefallen und er gibt uns einen Camino-Anstecker, den wir Rolf bei unserer Rückkehr überreichen sollen. (Was wir natürlich getan haben!)
Wir ziehen durch das verlassene und zerstörte Foncebadon , das ehemals ein wichtiger Ort am Camino war: Im 10. Jh. fand dort sogar ein Kirchenkonzil statt. Jetzt kann man nur noch erahnen, wie es damals hier ausgesehen haben mag. Allerdings sieht man an manchen Gebäuden neue Restaurierungsarbeiten. Das spanische Tourismus-Zentrum hat wohl einiges in die Wege geleitet und es bleibt zu hoffen, dass sich bald wieder Leben in diesen öden Mauern zeigen wird.
Ein einzigartiger Höhepunkt des Camino ist wohl das “Cruz de Ferro” . Dort lege ich meinen von zu Hause mitgebrachten Eifler Lava-Stein auf den mächtigen Hügel und trage damit zu einer 1.000-jährigen Pilgertradition bei. Es ist ein inniger besinnlicher Moment, in dem ich Gott danke, dass er mich bis hierher ohne (nenneswerten) Schaden geführt hat. Es wäre nur schön, wenn er mir die Schmerzen in meinen Füßen ein wenig lindern würde. Leider scheint er dafür nicht zuständig zu sein und so ertrage ich sie weiterhin tapfer.
Ein klein wenig entschädigt wird man durch das herrliche Bergpanorama , dass sich hier bietet. Aber ... Moment mal ... müssen wir über die Berge da nicht auch drüber? Leo zuckt nur die Schultern. Na wunderbar!
Die nächste zweifellose Berühmtheit am Camino ist wohl die Herberge von Manjarin . Dort sorgt ein “Hängengebliebener” (Tomás wollte 1993 nach Santiago, hat sich dann aber entschieden, in Manjarin zu bleiben) nach Art der Tempelritter für die Pilger. Der Reiseführer schreibt: “Es ist sehr interessant, hier zu übernachten, aber diese Herberge genügt nicht allen Ansprüchen an Sauberkeit und Ordnung”. - Kann ich mir lebhaft vorstellen, wenn ich mir das bauliche Durcheinander so ansehe... Ein sehr interessantes Entfernungsschild steht direkt beim Refugio an der Straße und erinnert uns daran, wie groß doch eigentlich die Welt ist, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Immer abwärts gehts jetzt. Was glaubst du, wie meine wunden Füße beim Anblick dieses Abstiegs gejubelt haben?
Am Ortsausgang von Molinaseca steht dieser hübsche Brunnen , der einen Jakobspilger zeigt. Der Hospitalero dort spricht ein wenig Englisch. Was für ein Glück! Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich unbedingt zu einem Schuster muss, damit meine Sohlen erneuert werden. Er läßt ein Taxi kommen, dem er ganz genau erklärt, wo er mich hinzufahren hat. Der Taxifahrer chauffiert mich nach Ponferrada zu einem Schuster, dem ich mit meinen wenigen Worten Spanisch erkläre, was ich gerne möchte. Leider hat er keine Sohlen für Wanderschuhe, aber er verspricht, sich was einfallen zu lassen. Er sagt sogar, dass die Schuhe bis zum nächsten Morgen um 9:00 Uhr fertig sein werden und dass sie mindestens bis Santiago halten werden.
Am Abend treffe ich eine deutsche Pilgerin aus dem Hunsrück. In unserem Gespräch zeigt sich, dass wir beide eine gemeinsame Bekannte in Niedersohren haben. Wie klein ist doch die Welt, oder?
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 | | | 11. Tag - Dienstag, 2.10.01 - Von Molinaseca nach Villafranca del Bierzo | Um 2 Minuten vor 9 stehen Leo und ich vor dem Schusterladen in Ponferrada. 20 Minuten später und 3.000 Pts. ärmer gehe ich in den neu besohlten Schuhe und finde es richtig gut. Die 8 km nach Ponferrada waren in den (eigentlich sehr bequemen und speziellen) Wandersandalen wirklich sehr beschwerlich. Es macht doch was aus, wenn man Gepäck auf dem Rücken hat. Die neuen Sohlen haben zwar kein Profil, aber der Schuster hat sich redlich Mühe gegeben ein schönes Muster hinein zu schnitzen. Ein paar dickere Einlagen habe ich mir auch gegönnt. Es ist nun sehr eng im Schuh, weil die Einlagen erst ein wenig eingelaufen werden müssen. Aber das wird schon...
Die gut erhaltene (oder wiederhergestellte?) Templerburg ist wirklich sehenswert. Wir wechseln ein paar Worte mit deutschen Buspilgern aus Stuttgart, die begeistert sind hier Landsleute zu treffen. Hinter der Stadt kommen wir durch einen kleinen Park, in dem eine Statue und die Kirche der Santa Maria de Compostilla steht. Die leider zugesperrte Kirche hat sehr schöne Wandmalereien , die man durch die vergitterte Tür sehen kann.
Es geht momentan immer weiter auf Asphaltstraßen, bis wir nach einigen Kilometern die Vororte von Ponferrada verlassen.
Die Region Bierzo ist (wie die Rioja) ein bekanntes Weinanbaugebiet. Wir wandern stundenlang durch Weinberge, an denen zu dieser Jahreszeit schwere dunkle Trauben hängen.
“Sollen wir oder sollen wir nicht?”, haben wir uns beim Anblick dieser am Wegesrand stehenden Kübel gefragt. Nach kurzer, heftiger Diskussion haben wir entschieden, uns NICHT des Diebstahls schuldig zu machen. Pilgerehre, oder?
Das Gehen ist noch immer eine Tortur. Die Knochenhaut unter den Fußballen ist wahrscheinlich entzündet. Das wird noch ein paar Tage dauern. So fertig (in Bezug auf die Füße) war ich noch nie. So kommen wir nur langsam voran, machen öfter Pausen und es ist fast dunkel, ehe wir an unserem Tagesziel Villafranca del Bierzo ankommen. Die Santiago-Kirche gewährte einst den kranken Pilgern, die nicht mehr weitergehen konnten, denselben “Ablass” wie in Santiago. Beim Gedanken an meine Füße denke ich einen ganz kleinen Moment daran, dass ja auch ich fußkrank ..... aber nur einen gaaaanz kleinen Moment. Ehrlich!
Wir ziehen es vor, nicht in der (allseits bekannten) Herberge von Jato zu übernachten sondern in der “regulären”. Aber einen kleinen Blick haben wir doch in diese hineingeworfen.
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 | | | 12. Tag - Mittwoch, 3.10.01 - Von Villafranca del Bierzo nach O Cebreiro | Wolf (der Herbergsvater in Mansilla de las Mulas, du erinnerst dich?) sagte damals, dass wir in Villafranca unseren Stolz einfach über Bord werfen und die Rucksäcke von Jato per Anhänger auf den Cebreiro transportieren lassen sollten. Genau das tun wir jetzt. 30 andere haben sich schon unserer Meinung angeschlossen. Eine kleine Spende von 300 Pts. (ca. 1,50 Euro) und wir machen uns, nur mit dem notwendigsten bewaffnet (Trinkflasche, Jacke, Papiere) auf die wohl schönste Bergtour jenseits der Pyrenäen.
Zuerst kommt ein sehr langer, sehr steiler Anstieg aus dem Ort heraus. Als Belohnung bekommen wir jedoch die wunderbarsten Berg- und Tal-Blicke . Das Wetter spielt auch mit und so ärgern wir uns, dass wir unsere dicken Jacken dabei haben. Es geht über die Hochflächen mit kleinen Dörfchen, durch Kastanienwälder , wie ich bisher noch keine gesehen habe und auf wirklich romantischen Wegen . Meinen Füßen gehts inzwischen auch wieder ein wenig besser, was man wohl am gelösteren Blick erkennen kann.
Immer auf und ab, auf und ab, bis wir plötzlich am Grenzstein zur Provinz Galicien stehen. Nun sind es nur noch 152,5 km bis zum Ziel. Ab hier stehen die Kilometersteine, die die Strecke nach Santiago abmessen, im Abstand von 500 Metern.
Auf dem Cebreiro haben wir die beste Aussicht seit langem. Es ist jedoch sehr kalt hier oben in 1.293 m Höhe. In der Abendsonne “nach Hause telefonieren” (frei nach dem Film “E.T.”) ist ein Erlebnis, dem sich auch Leo nicht entziehen kann.
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 | | | 13. Tag - Donnerstag, 4.10.01 - Von O Cebreiro nach Calvor | Eigentlich ist dieser Tag als “Erholungstour” geplant ... eigentlich sollen es nur 24,5 km sein ... eigentlich sind wir beide müde ... eigentlich.... eigentlich...
Aber es kommt mal wieder alles ganz anders: Der Cebreiro liegt im Nebel , als wir starten. Wolkenfetzen fegen uns um die Ohren. Es ist bitterkalt. Nachdem wir über die Paßhöhe von San Roque (1.270 m) gezogen sind wird das Wetter zusehends besser. Wir rasten in einem schönen “palloza”, einem runden Haus mit Strohdach, die früher typisch für diese Gegend waren. Inzwischen besinnt man sich wieder auf diese alten Traditionen und hat neue pallozas vieler Orten gebaut.
Es geht auf sehr schönen Wegen über den mit 1.337 m höchsten Paß des Jakobsweges (den Alto do Poio), an bemerkenswerte Brunnen vorbei und durch steinige Hohlwege bis wir nach Triacastela, dem eigentlich geplanten Tagesziel, kommen.
Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass es gerade erst 14:00 Uhr ist. Das ist uns nun wirklich zu früh um diesen Ort schon als Etappenziel zu erklären.
Nach einer kurzen Rast beschließen wir, die 14 km bis zum nächsten Refugio in Calvor auch noch zu bewältigen. Das hätten wir mal lieber bleiben lassen sollen! Meinen Füßen ging es bis jetzt ganz gut. Aber das ändert sich schlagartig, wenn man die tägliche 25 km-Grenze übersprungen hat.
Das Refugio ist absolut leer als wir um 18:30 Uhr dort ankommen. Am Ende der 38,5 km kann ich nur noch ins Bett fallen und muss erst einmal eine Stunde den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Dann gehe ich heiß (!) Duschen (...wirklich wahr! Das erste Mal in einem Refugio, dass noch nicht 30 Leute vor einem das ganze warme Wasser weggeduscht haben). Später erscheint mit Hubert aus Nürnberg ein weiterer Deutscher. Wir können es nicht glauben: Nur 3 Personen in einem großen Refugio, in dem am Tag zuvor laut Aufzeichnung im Register 28 Pilger übernachtet haben.
Da sich die Herberge mehr als einen Kilometer ausserhalb des Ortes Calvor befindet, fragen wir uns, wie wir hier was zu Essen finden sollen. Das Problem löst sich jedoch von ganz alleine, denn gegen 20:30 Uhr erscheint eine nette Hospitalera, die uns erklärt, dass sie uns gerne behilflich sein will. Wir bestellen telefonisch Pizza für alle, für jeden einen Salat und 2 Flaschen Wein. Alles wird prompt eine knappe Stunde später geliefert. Rundum satt und zufrieden fallen wir in die Betten.
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 | | | 15. Tag - Samstag, 6.10.01 - Von Portomarin nach Casanova | Es regnet schon wieder als wir Portomarin verlassen. So beschließen wir, in der nächstmöglichen Bar einzukehren und zu frühstücken. Die Bar füllt sich schnell mit Pilgern aller Nationen und als wir fertig sind, hat der Regen tatsächlich aufgehört.
Wir erleben einen tollen Sonnenaufgang , den natürlich ein Bild in seiner gesamten Schönheit nicht wiederzugeben vermag.
Leider geht man hier sehr viel auf Asphalt, was aus diesem Schnappschuß der Gegend ersichtlich ist. In Gonzar machen wir an einer “Frittenbude” (wie Leo die Bar bezeichnet) eine Rast. An ein Haus ist eine Art Wintergarten angebaut, in dem wir sitzen. Lediglich ein kleiner, etwa 12-jähriger Junge ist da. Wir fragen nach etwas zu Essen und er meint, dass kriege er schon hin. Es gibt jedoch nur Käse, sonst nichts. Na ja, was soll´s, dann eben Käse. Was er uns dann jedoch bringt, verschlägt sogar Leo die Sprache. Ein ganzes rundes Brot dick mit Käse belegt. “Da kriegste ja Maulsperre!” , ist sein Kommentar.
Nach 25 Kilometern fangen die Füße wieder an zu beißen, da die Asphaltwege nicht aufhören.
Wir kommen an einigen uns fremd anmutenden Friedhöfen vorbei.
Auf dem letzten Stück vor Casanova werden die Wege für kurze Zeit wieder schöner, aber leider hat man auch hier alles asphaltiert. Schade.
In dem aus nur ein paar Häusern bestehenden Ort Casanova angekommen, sind außer uns nur noch 2 ältere Brasilianerinnen in dem 1999 erbauten Refugio. Gegen 20:00 Uhr kommen noch eine Spanierin, ein Portugiese und eine Deutsche vollkommen durchnäßt an. Wir sitzen später zusammen im Aufenthaltsraum und teilen unser Essen, da es hier keine Möglichkeit gibt ein warmes Essen zu erhalten. Die Hospitalera ist eine Bauersfrau vom Hof gegenüber, von der wir einen Liter Rotwein kaufen. Er ist recht herb und riecht und schmeckt nach dem Pinienfaß, aus dem er frisch in die große Plastikflasche (!) gezapft wurde. Es entstehen an diesem Abend sehr interessante Gespräche, da alle Englisch sprechen.
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 | | | 16. Tag - Sonntag, 7.10.01 - Von Casanova nach Arzua | Sehr ruhig beginnt der Tag nach einer recht anstrengenden Nacht. Die ältere der beiden Brasilianerinnen hat geschnarrrrrrrrrcht wie verrückt. Da half kein Klopfen, Anrempeln oder Wecken. Es war der reine Horror! Einige haben sich daraufhin noch in der Nacht “umgebettet” und sind mit den Matrazen in den Aufenthaltsraum gezogen. Das hätten wir mal lieber auch machen sollen. Sollte ich irgendwann den Weg noch einmal gehen, werden ein paar Ohrenstöpsel ganz oben auf meiner Liste der mitzunehmenden Dinge stehen!
Wir gehen erst gegen 9:00 Uhr los. Man merkt jetzt doch, dass die Tage kürzer werden und das Tageslicht später einsetzt.
Unserem Ziel kommen wir merklich näher. Dieser Grenzstein zeigt an, dass wir nun in die Provinz A Coruna (oder auch La Coruna) eintreten. Kurze Frühstückspause in einer Bar in Coto.
Wir überqueren ein paar hübsche Brücken . Wenn nur nicht die Wege alle mit Pflaster oder Asphalt belegt wären! Nur manchmal scheint man ein Einsehen mit den müden Pilgerfüßen zu haben. Dann geht es durch herrliche Waldstrecken und fantastisch angelegte Bachübergänge . An einer etwas unübersichtlichen Abzweigung kurz vor Melide taste ich nach meinem Reiseführer und stelle entsetzt fest, dass er verschwunden ist. Ich werde ihn wohl in Coto liegen gelassen haben, doch das liegt inzwischen mehr als 9 km hinter uns. Nochmal zurück gehen? Auf keinen Fall! Ich hoffe darauf, dass der kleine Spanisch-Schweizer (oder Schweiz-Spanier?), der dort saß, als wir los gingen, ihn mit nach Arzua bringen wird.
Der Tag wird zum reinen Wetter-Horrortrip, denn der Regen peitscht und der Wind hat teilweise Orkanstärke. Wir werden regelrecht vom Fußgängerweg auf die Straße geweht. Dabei kommt es ein paar mal zu recht gefährlichen Situationen mit Fahrzeugen. Wir sind heilfroh, in Arzua anzukommen. Nur ein paar Minuten nach unserer Einkehr im Refugio bricht ein Gewitter-Wolkenbruch los, wie ich im Leben noch keinen erlebt habe.
Obwohl diese Strecke mit 24,5 km eine der “Erholungsetappen” war, sind wir doch rechtschaffen müde wegen der dauernden Wetter- und damit verbundenen Klamottenwechsel. Eine Australierin (Tamsin, die wir schon mehrfach auf der Strecke getroffen haben) ist vollkommen verzweifelt, da sie ihre Freundin Meena aus den Augen verloren hat. Meena ist immer ein wenig schneller gewesen als Tamsin. Nach einem kurzen Telefonat der Hospitalera stellt sich heraus, dass Meena wegen des Wetters im vorhergehenden Refugio in Ribadiso abgestiegen ist und sie sich deshalb verpasst haben.
Beim Abendessen, zu dem wir Tamsin eingeladen haben, spricht mich eine Brasilianerin an, dass sie meinen Reiseführer gefunden und mitgenommen hat. Ich hatte ihn nicht in Coto sondern bereits in Gonzar (also gestern) liegen lassen. Hocherfreut gebe ich ihr einen Vino tinto aus.
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 | | | 17. Tag - Montag, 8.10.01 - Von Arzua nach Labacolla | Von der Brasilianerin erhalte ich meinen Reiseführer zurück. Wir starten im Dunkeln und fantastische Bodennebel ziehen mit uns.
Die Maisspeicher sind für diese Region typisch und sehr zahlreich vertreten. Sie bestehen meist aus Granit oder Holz und haben eine waagerechte, überstehende Bodenplatte, damit sich die Mäuse nicht an dem köstlichen Mais gütlich tun. Das Wetter ist wie die Stimmung - mal Regen, mal Sonne.
Wir ziehen durch endlose Eukalyptuswälder, die mir hier total fehl am Platz erscheinen. “Hier riecht es wie bei uns daheim.”, meint die Australierin Meena. “Fehlen nur noch die Koalas.”, fügt ihre Freundin Tamsin hinzu. 
Unerwartet stehen wir plötzlich an der geografischen Grenze von Santiago und sind doch etwas überrascht. Schließlich sind es noch mehr als 25 km bis zur Stadt selbst.
Der Flughafen von Santiago ist schon von weitem zu hören. Er muss am Zaun entlang umgangen werden, was ein erheblicher Umweg ist, wie uns eine Karte zeigt.
Vor einigen Tagen schon haben wir beschlossen, nicht im Pilgerkomplex am Monte do Gozo zu übernachten. Zu viel Schlechtes haben wir darüber gelesen und gehört. Deshalb verbringen wir die Nacht luxusmässig in einem Hotel in Labacolla. Das Zimmer ist super und ich erwische Leo beim “Ausruhen” . Die Strafe für dieses Bild folgt auf dem Fuße, als ich in der Badewanne sitze. (Bild auf Drängen von Margret zensiert 
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 | | | 18. Tag - Dienstag, 9.10.01 - Von Labacolla nach Santiago de Compostela | Hervorragend haben wir geschlafen. Ohne Schnarchen, ohne Tütengerassel mitten in der Nacht, ohne Rudelwaschen am Morgen! Das ist auch mal schön.
Unsere letzte Etappe haben wir so gewählt, dass es nur ein “kleiner Spaziergang” von 10 km sein wird. Das trübe Wetter ist uns egal, wir sind bester Laune.
Vorbei geht es am riesigen Gebäudekomplex des galizischen Fernsehens auf den Monte do Gozo (Berg der Freude) zu. Auf dem Aussichtshügel haben wir den ersten Blick auf Santiago .
Wir kommen am “Massenrefugio” des Monte do Gozo vorbei und sind froh, hier nicht übernachtet zu haben. Ein fantastischer Regenbogen breitet sich über der Stadt aus, so als wolle er uns begrüßen. Etwa gegen 9:00 Uhr haben wir dann unser Ziel erreicht: Die Kathedrale von Santiago de Compostela . Wir stehen relativ sprachlos davor und Tränen laufen uns die Wangen herab. War es das? Sind wir wirklich da? Wir können es noch gar nicht richtig begreifen. Ich telefoniere nach Hause und kann kein richtiges Gespräch führen, weil ich so ergriffen bin. Dann reihen wir uns in die bereits zahlreich vorhandenen Pilgerscharen ein und führen die traditionellen Riten zum Abschluss der Pilgerung durch:
Wir legen am Eingang der Kathedrale die Hände an die Säule zu Füßen des Apostels und berühren mit dem Kopf die darunter liegende Figur des Baumeisters Mateo. Dann besuchen wir die Krypta mit dem Schrein, der die Gebeine des Apostels Jakobus enthalten soll. Zuletzt steigen wir hinter dem Hauptaltar zur überlebensgroßen Figur des Jakobus auf, um ihn zu umarmen.
Anschließend suchen wir das Pilgerbüro in der Rua do Vilar und lassen uns den Abschluss-Stempel in unser Credencial (siehe unten links) setzen, worauf uns auch die Urkunde “Compostela” ausgestellt wird. (Weitere Stempel des Credencial hier: )
Dann finden wir ein kleines Hotel nach der Beschreibung von Wolf. Dort stellen wir erst einmal die Rucksäcke ab, damit wir sie nicht immer noch mitschleppen müssen. Man kommt sich schon ein bisschen seltsam vor, wenn man keinen “Buckel” mehr hat...
Um 12:00 Uhr besuchen wir die Pilgermesse. 12 Priester zelebrieren die feierliche Messe in mehreren Sprachen, darunter auch in deutsch. Es ist ein krönender und würdiger Abschluss unser Tour... ...wenn da nicht noch ein kleiner, fader Nachgeschmack wäre.
Und das kam so: Während der Messe wird das große Weihrauchfaß (Botafumeiro) geholt und unter Applaus durch die Kuppel geschwungen. Dies soll doch nur an Sonn- und Feiertagen zum Einsatz kommen. Es ist aber doch kein Feiertag, oder? Nachher berichtet man uns, dass man gegen einen Obulus von 3.000 Pts. (ca. 15,- Euro) die Kirchendiener “bestechen” kann, damit sie den Weihrauchkessel durch die Kirche fliegen lassen. Kommerz macht auch in der Kirche nicht halt. Das hat mich wirklich enttäuscht.
Im Anschluss an die Messe streifen wir auf dem Vorplatz der Kathedrale herum und treffen viele Bekannte . Hier Leo mit Tamsin, Meena, Jean aus Frankreich und unser amerikanischer Radfahrer-Freund Bob.
Bei einem Stadtbummel greifen wir die Gelegenheit beim Schopf und decken uns mit kleinen Mitbringseln für die Lieben daheim ein. Ich selbst habe mir ein neues, sauberes, gebügeltes, noch nie gewaschenes und nicht nach Schweiß riechendes T-Shirt geleistet. Was für eine Wohltat! In der Abendsonne gelingt Leo noch ein traumhafter Schnappschuß der Kathedrale. (Der Kleine mit dem neuen blauen T-Shirt, das bin ich! )
Abends haben wir uns zu einem “Abschiedsessen” in einem Restaurant verabredet und viele sind gekommen. Die Stimmung ist gelöst und doch ein bisschen melancholisch. Jeder weiß, dass er den anderen wahrscheinlich niemals wiedersehen wird.
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 | | | 19. Tag - Mittwoch, 10.10.01 - Santiago de Compostela und Rückreise (bis 11.10.02) | Wir durchstreifen schon morgens die sehenswerte Altstadt und treffen wieder auf einige bekannte Pilgerbrüder und -schwestern. Sogar Susanne aus der Schweiz hat es trotz Hüftproblemen und einer (eilends besorgten) Krück geschafft. Frank und seine Gefährten treffen wir jedoch nicht mehr. Wir haben ja ca. 2 Tage Vorsprung.
Mittags genießen wir ein oppulentes Mahl. So ein Riesenschnitzel habe ich im Lebtag noch nicht gesehen. Gibt´s überhaupt so große Schweine?
Am Nachmittag nehmen wir Abschied von der Stadt und dem Camino. Eine leise Traurigkeit stellt sich ein. Zusammen fahren wir im Taxi zum Flughafen hnaus. Leo hat leider einen früheren Flug, sodass auch wir uns dort verabschieden müssen.
Dann folgt meine (wirklich lesens- und erwähnenswerte) Rückreise: Der Flug von Santiago nach Madrid ist erst einmal völlig normal. Das Gepäck ist durchgecheckt bis Frankfurt, sodass ich mich in Madrid lediglich um den richtigen Flugsteig für den Weiterflug kümmern muss. Pünktlich fährt uns ein Bus aufs Rollfeld. Wir sitzen in der Maschine und warten - und zwar fast geschlagene 2 Stunden lang. Zwischendurch erfolgt mal eine Durchsage, dass noch ein Passagier fehlt. Dann wieder eine Durchsage, dass für die Anzahl der Passagiere zu wenig Gepäck eingeladen wurde. Die nächste Durchsage besagt, dass zu wenig Passagiere für das eingeladene Gepäck da sei. Keiner blickt mehr durch und viele werden bald ein wenig nervös.
Um 21:30 Uhr geht es dann tatsächlich los. Kurz nach dem Start fliegt der Pilot eine große Linksschleife. Das kommt mir schon ein wenig seltsam vor, weil ich früher oft beruflich in Madrid zu tun hatte und daher die Startgegebenheiten kenne. Der Flughafen befindet sich plötzlich wieder parallel zu unserer Flugroute. “Das kann doch gar nicht sein.”, denke ich noch. Da macht uns eine nette Stimme darauf aufmerksam, dass durch eine “undefinierte Rauchentwicklung im hinteren Teil des Flugzeuges” der Flug nunmehr abgebrochen wird und wir nach Madrid zurück kehren. Auf einem abgelegenen Teil des Flughafens kommt die Maschine zum Stehen. Alle verlassen das Flugzeug ganz normal über die Treppe. Draußen wird das volle Programm geboten: Feuerwehr, Polizei, Airline-Personal (heimliche Aufnahme mit versteckter Kamera). Wir stehen irgendwo in der Ecke rum und wissen nicht, was wir tun sollen. Keiner kümmert sich auch nur im Entferntesten um uns. Irgendwann erscheint dann doch ein Bus und bringt uns zurück zum Terminal. Nach unendlich langen Diskussionen und chaotischem Hin und Her (das ich hier lieber nicht beschreiben möchte, sonst kriege ich womöglich noch ´ne Klage an den Hals) werden wir dann gegen 1:00 Uhr in der Nacht per Bus in ein Hotel gebracht. Gegen 2:00 Uhr hat das Hotel noch ein Essen für die mehr als 120 Passagiere gezaubert (Hochachtung!). Dann aber ab ins Bett. Kurz und heftig schlafen ist angesagt, denn um 5:00 Uhr muss ich schon wieder aufstehen, da wir um 6:00 Uhr wieder auf dem Flugplatz sein müssen. Diesmal klappt´s! Nach ruhigem Flug komme ich am Mittag des 11.10.01 in Frankfurt an. Der (zur damaligen Zeit leider fast alltägliche) Bombenalarm im Sperrbereich bringt mich jetzt auch nicht mehr aus der Fassung. Eine halbe Stunde länger irgendwo rumstehen - was macht das schon, wenn man die Familie sehnsüchtig erwartet... Dann ist es soweit: Nach 20 Tagen schließe ich meine Lieben wieder in die Arme.
FAZIT DIESER EINMALIGEN PILGERREISE:
Der Weg hat sich gelohnt und ist eine Lebenserfahrung, von der ich im Alltag immer wieder profitiere und die ich nicht mehr missen möchte.
Der 2. Teil war eine absolut andere Erfahrung als Teil 1.
Trotz der übermäßig vielen Pilger in den Refugien gab es auf den Strecken teilweise noch die Einsamkeit und Ruhe, die ich suchte.
Die Rückreisen von Spanien (siehe auch Teil 1) scheinen für mich immer in irgendwelchen Katastrophen zu enden.
Ich möchte mich hier nochmals ganz herzlich bei Rolf und Leo bedanken, die mir den Weg zu einem unvergeßlichen Erlebnis machten! |
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Nachtrag April 2003: Frank hat sich am 1. März 03 auf die “ultimative Pilgerreise” begeben: Nontop zu Fuss von Berlin nach Santiago de Compostela! Am 25. März legte er einen Zwischenstopp bei uns in der Eifel ein. Den Zeitungsbericht darüber kannst du [hier] lesen.
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